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Mit einer zwölfteiligen, monatlichen Serie machen die Grünen auf gefährdete Arten und ihre Lebensräume aufmerksam. "Wir sind stolz darauf, dass wir für unsere Serie das Logo sowohl der weltweiten Kampagne "Countdown 2010" als auch das Logo für das Internationale Jahr der Biodiversität verwenden dürfen.
Teil 1/12 – Januar 2010
Der Schwarzspecht
Gisela Splett: "Mehr Mut zur Wildnis hilft Schwarzspecht und Co"
Es wäre ein wichtiger Beitrag für das Ziel der EU, des Bundes und des Landes, bis 2010 den Artenschwund zu stoppen. Denn viele Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg kommen in naturnahen Wäldern vor.
Eine davon ist der Schwarzspecht, der größte Specht Europas. Der schon für 1981 als "Vogel des Jahres" gewählte Schwarzspecht ist anspruchsvoll: Buchen sollen es möglichst sein für seine Bruthöhlen. In Brusthöhe müssen die Buchen über 150 cm Umfang besitzen, denn sonst sind die Bäume in 10 bis 15 Meter Höhe, wo er seine Höhlen zimmert, nicht kräftig genug. Der Schwarzspecht benötigt also große, mindestens 100 Jahre alte Buchen. Und sein Revier umfasst 400 ha bis 3.000 ha Größe – ein kleines Wäldchen reicht ihm also nicht aus. Rund 5.000 Brutpaare des beeindruckenden, krähengroßen, schwarz-roten Spechtes mit einem dreiviertel Meter Flügelspannweite gibt es noch in Baden-Württemberg - verteilt über die ganze Landesfläche. Mit bis zu 17 Schlägen pro Sekunde kann er mit dem Schnabel auf das harte Holz einschlagen. In der Balz schafft ein Schwarzspecht-Männchen auch mal über 10.000 Schläge pro Tag. Insbesondere in den 1970er Jahren ging es mit den Schwarzspechtbeständen bergab. Massive Aufforstungen mit Fichten, immer kürzere "Umtriebszeiten" in den Buchenwäldern und mangelndes Verständnis gegenüber der Bedeutung von Wildnis im Wald waren die Hauptursachen dafür.
2009 hat das Land mit dem "Alt- und Totholzkonzept" einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Aber trotz dieses Schrittes ist das Land noch weit von den in der "Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt" enthaltenen Zielen entfernt. Laut der 2007 beschlossenen Strategie soll der Flächenanteil der Wälder mit einer ungestörten Waldentwicklung im Jahr 2020 fünf Prozent der Waldfläche betragen. Dabei soll die öffentliche Hand mit gutem Vorbild vorangehen und bis 2020 zehn Prozent der eigenen Wälder aus der Nutzung nehmen.
Aktuell sind in Baden-Württemberg aber nur 0,5 % der Waldfläche als Bannwälder ausgewiesen, die längerfristige Zielsetzung der Landesregierung liegt bei nur 1 %. Und nur auf etwa 2,5 % der Waldfläche in Baden-Württemberg sind über 150-jährige Laubaltholzbestände anzutreffen. Im "normalen Wirtschaftswald" werden Bäume hingegen gefällt, wenn sie einen Zieldurchmesser von etwa 60 cm erreicht haben – lange bevor sie ins "Schwarzspecht-würdige" Alter kommen.
Selbst wenn man die so genannten Waldrefugien und Habitatbaumgruppen und die Kernzone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb hinzuzählt, will die Landesregierung mit Hilfe des Alt- und Totholzkonzept bis 2020 nur etwa sieben Prozent der eigenen Waldfläche ihrer natür¬lichen Entwicklung überlassen. Instrumente, um den Anteil "wilder Wälder" im Kommunal- und Privatwald zu erhöhen, sind nicht in Sicht.
Der Schwarzspecht ist mit seiner Vorliebe für starke Stämme nicht allein: Auch Hohltauben und Raufußkauz, der blauschwarze "Alpenbock" als seltene Käferart, weitere Tier- und viele seltene Pilzarten sind auf naturnahe Wälder mit Altholzbeständen angewiesen. Doch wie würden die Wälder in Baden-Württemberg bei mehr Mut zu Wildnis aussehen? In weiten Teilen des Landes würden ohne Eingriff des Menschen unterschiedliche Buchenwälder wachsen. Das gilt für die Schwäbische Alb und den Albtrauf, für den Kraichgau und das Neckarbecken, aber auch für weite Teile des Schwarzwaldes. Im europäischen Kontext trägt Baden-Württemberg für den Erhalt naturnaher Buchenwälder besondere Verantwortung; Buchenwälder sind deshalb ein wichtiger Bestandteil des EU-weiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 in Baden-Württemberg.
Dass "mehr Wildnis" im Wald nicht nur der Natur, sondern auch dem Mensch dient, zeigt sich in Nationalparken wie dem Bayerischen Wald, dem Hainich in Thüringen oder dem Kellerwald in Hessen, die sich zu Anziehungspunkten für den Tourismus entwickelt haben. Sie ziehen die Menschen an, weil große Waldflächen sich natürlich entwickeln dürfen, weil Natur Natur sein darf, weil die Menschen anschauen, erforschen und erleben können, was Waldwildnis bedeutet. Leider fehlt ein Nationalpark in Baden-Württemberg immer noch. Die Naturparke mit ihren großen Waldbe¬ständen sind wichtige Erholungslandschaften, bieten aber nur kleinflächig "echte Wildnis". Im Biosphärengebiet Schwäbische Alb bilden die Buchenwälder an den steilen Hängen des Albtraufs und auf der "Kuppenalb" die Kernzone des Gebiets – aber auch hier sind nur 3% des Gebiets vollständig aus der Nutzung genommen. Spielraum für mehr Wildnis wäre im Land zweifelsohne da, ohne dass dadurch die forstliche Nutzung unserer Wälder in Frage gestellt würde.
Im Sinne von Schwarzspecht & Co fordern die GRÜNEN im Landtag deshalb
• die Ausweisung weiterer Bann- und Schonwälder mit mind. 100 ha Größe
• 10 Prozent der Staatswaldfläche als Wildnis
• die konsequente Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes - auch im Kommunalwald sowie seine Bewerbung und Förderung im Privatwald.
• die zeitnahe Erstellung und Umsetzung von Managementplänen für alle Natura-2000-Gebiete,
• Vergrößerungen der Kernzonen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb sowie
• die Umsetzung der für das "Naturschutzgroßprojekt Nordschwarzwald" entwickelten Konzepte.
Quellen/Links:
www.countdown2010.net/article/seasons-greetings-from-the-countdown-2010-team
www.Landtag-bw.de/WP14/Drucksachen/4000/14_4883_D.PDF
www.landtag-bw.de/WP14/Drucksachen/0000/14_0703_d.pdf
www.landtag-bw.de/wp14/drucksachen/1000/14_1391_d.pdf
www.landtag-bw.de/wp14/drucksachen/4000/14_4195_d.pdf
www.forstbw.de/landesbetrieb-forstbw/schuetzenbewahren/waldschutzgebiete/bannwaelder/
www.Naturschutz.landbw.de/servlet/PB/menu/1255131/index.html
www.NABU.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/1981-derschwarzspecht/
www.Planet-schule.de/spechte/content/wissen/themen/spechtsprache.html