Fraktion GRÜNE im Landtag von Baden-Württemberg

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11. Januar 2012

Antibiotikaeinsatz und Antibiotikaresistenzen sind Auswirkungen der Massentierhaltung

Grüne setzen auf bäuerliche und ökologische Landwirtschaft

Boser, Sandra groß neu

Die Landtagsfraktion der Grünen fordert einen Ausstieg aus der antibiotikabasierten Massentierhaltung. Mit großer Sorge haben der agrarpolitische Sprecher Martin Hahn und die verbraucherschutzpolitische Sprecherin Sandra Boser die Untersuchungen der Agrarministerien aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen  zum Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung verfolgt. 

Der flächendeckende und prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung habe ein vermehrtes Auftreten von multiresistenten Keimen zur Folge – die Ergebnisse der Untersuchungen des BUND zu antibiotikaresistenten Keimen auf Fleischproben bestätigten das in erschreckender Deutlichkeit, so die beiden Landtagsabgeordneten. Das Problem sei aber nicht nur im massiven Einsatz der Medikamente zu suchen, sondern ergebe sich vor allem aus den Haltungsbedingungen.

„Der massive Einsatz von Antibiotika deutet zudem darauf hin, dass die Medikamente mehr als Leistungsförderer denn als Krankheitsverhinderer eingesetzt werden – als Leistungsförderer sind Antibiotika aber seit 2006 EU-weit verboten. Diesem verdeckten Doping in der Tierhaltung muss ein Ende bereitet werden", so Boser und Hahn.

Sie sehen in der Initiative von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, künftig stärker gegen den Medikamentenmissbrauch bei der Tiermast vorzugehen, einen ersten, aber sehr späten Schritt. „Die systematische Anwendung von Antibiotika zur Wachstumsförderung oder zum Kaschieren von Krankheiten in großen Mastanalagen mit mehreren Tausenden von Tieren ist ein unhaltbarer Zustand und verstößt gegen das Arzneimittelgesetz“, so Boser. Deshalb sei es absolut notwendig, die Landesbehörden mit genauen Daten zu versorgen, damit diese schnell und effizient solche Verstöße ahnden können.

Martin Hahn

Nach Ansicht von Hahn wirken bäuerliche Strukturen der Keimbelastung und dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung entgegen: Nachweislich ist der erforderliche Einsatz von Antibiotika in kleineren Betrieben (unter 20.000 Tieren) und bei langsamerem Fleischwachstum (mehr als 45 Tage Hähnchen-Mast) unterdurchschnittlich  - oder antibiotikafrei.

Baden-Württemberg mit seinen kleiner strukturierten Betrieben sei von der Problematik weniger betroffen als Länder wie Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen. "Dieser Vorteil sollte im Land genutzt und die Entwicklung von agrarindustriellen Tierhaltungen verhindert werden. Darum setzen wir uns in Baden-Württemberg für eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft ein. Mit der Verringerung der Bestandsdichten in der Tierhaltung muss aber zwingend die Erhöhung der Erlöse aus der Tierhaltung verbunden sein", so Martin Hahn, der selbst Landwirt ist, "denn kleinere Strukturen erfordern höhere Preise für die Mehraufwendungen bei der Erzeugung."

Studien zeigten, dass Verbraucherinnen und Verbraucher  bereit seien, für regional erzeugte Produkte mehr zu bezahlen. Das spricht für die Förderung von regionalen Wirtschaftskreisläufen. Auf völliges Unverständnis stößt bei den beiden Landtagsabgeordneten die Äußerung von Bauernpräsident Sonnleiter, man müsse die Tiere therapieren, da dies sonst "Tierquälerei" sei. "Bei Massentierhaltung einen Antibiotika-Einsatz mit Tierschutz zu begründen, grenzt an Zynismus", so Boser und Hahn.

Allerdings verstelle diese Maßnahme den Blick auf die eigentliche Grundproblematik bei der industriellen Tierhaltung: "Leider wird jetzt nur an den Symptomen einer verfehlten Agrarpolitik herumgedoktert. Was Aigner macht, ist Kosmetik", so der grüne Agrarexperte Martin Hahn. Ziel müsse es deshalb sein, eine bäuerliche Landwirtschaft zu fördern, die die Tiere artgerecht hält und den Landwirten ein auskömmliches Einkommen bringt: "Wir haben in Baden-Württemberg da schon begonnen, einen neuen Weg einzuschlagen."

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