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30. Dezember 2010

Ein anderer Umgang mit der Bürgerschaft wird zentrale Aufgabe der neuen Landesregierung sein

Winfried Kretschmann zur Jahreswende

Kretschmann, Winfried - neu 2

Das zu Ende gehende Jahr bezeichnete Winfried Kretschmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, als ein dramatisches Jahr, in dem der Keim für wichtige Veränderungen in Gesellschaft und Politik gelegt wurde. „Mit den Ereignissen um das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist deutlich geworden, dass die Bürgergesellschaft sich verändert hat. Die Menschen im Lande wollen an für sie wichtigen Angelegenheiten partizipieren und vertrauen ihren gewählten Vertretern in Parlament und Regierung nicht unbegrenzt. Sie wollen schlichtweg ernst genommen werden. Die Schlichtungsgespräche, geleitet von Heiner Geissler, haben dabei die Standards gesetzt, die in die Zukunft wirken werden. Kein größeres umstrittenes Projekt wird mehr ohne eine breite Sachinformation, Diskussion und Einbeziehung sowie Beteiligung der Bürgerschaft durchzusetzen sein. Die Forderung nach mehr direkter Demokratie auf Landesebene wird von CDU und FDP bisher blockiert.“
Mehr noch als je zuvor hätten die Bürgerinnen und Bürger auch das Gefühl, durch Wahlen etwas verändern zu können. „Es wird ein spannendes Jahr – erstmals seit Gründung des Landes besteht die Möglichkeit, die CDU auf die Oppositionsbänke zu schicken.“ Dies sei auch dringend erforderlich: Auf allen Gebieten der Politik blockiere die CDU notwendige Reformen und Entwicklungen. In der Energiepolitik stehe sie seit Jahrzehnten auf der Bremse. Im Gegensatz zur Landesregierung hätten große Teile der baden-württembergischen Wirtschaft längst erkannt, dass die Zukunft in ressorcen- und umweltschonenden Produkten liege, auch und gerade beim Export. Falsche Entscheidungen wie die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken wirkten sich daher auf die mittelständisch geprägte Wirtschaft im Südwesten negativ aus.
In der Bildungspolitik – so Kretschmann - werde von der schwarz-gelben Koalition nur dann etwas verändert, wenn beim dreigliedrigen Schulsystem alles so bleibe wie es ist. Nicht einmal dann, wenn Bürgerinnen und Bürger, Eltern und Lehrerschaft auf kommunaler Ebene ein integratives Schuldmodell einfordern, damit die Schule im Dorf  bleibt, kämen Landesregierung und Schulbürokratie der Basis entgegen.
Kretschmann: „Ein anderer Umgang mit der Bürgerschaft muss 2011 ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Dies zu organisieren und in neue Formate der Beteiligung der Bürgerschaftz am politischen Leben zu gießen wird vornehmste Aufgabe der neuen Landesregierung nach der Wahl sein.“

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