Fraktion GRÜNE im Landtag von Baden-Württemberg

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29. Juni 2010

Stuttgart - ein grünes Paradies für einen Tag

30 Jahre Grüne im Landtag

 

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Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg begingen am 25. Juni ihren erstmaligen Einzug in das Landesparlament vor genau 30 Jahren - bunt, schillernd und stimmungsvoll. Sie feierten an dem Tag gleich drei Premieren: einen grünen quer durch die Stadt ausgerollten Teppich, eine neue Open-Air- und Feier-Location mitten in der City und ein bunt bemalter Landtag.

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Grüner Weg durch schwarzes Land - die Landtagsfraktion rollte sich und den Bürgern den Teppich aus: Vom Hauptbahnhof bis zum Schlossplatz legten sie einen vier Meter breiten grünen Velours-Teppich. Zunächst noch unsicher; später immer selbstverständlicher betraten die Passanten das gute Stück. Vor allem die Kids hatten ihren Spaß am grünen Tuch.

Counter-splettrösler

 

An vier Info-Counter räumten Abgeordnete und Berater der Fraktion mit dem hartnäckigen Gerücht auf, es handele sich um einen Promo-Gag zur Fußball-WM. Nein, im Gegenteil: Hier konnten die Passanten ihre Meinungen, Anregungen, Kritiken und Fragen loswerden (siehe „Reaktionen“). Diese wurden per W-Lan an die große Bühne an der Planie übertragen, auf der Winfried Kretschmann und Moderator Ralf Heineken (SWR-Hörfunk) die Fragen in wechselnden Konstellationen beantworteten. Mal sprachen sie mit der Verdi-Vorsitzenden Leni Breymaier über soziale Fragen, mal mit der Filmemacherin Sigrid Klausmann-Sittler und ihrem Mann dem Schauspieler Walter Sittler über Moral und Werte.

Sittler

 

Welche Rolle die Kultur in unserer Gesellschaft spielt, versuchten Eva Hosemann, Intendantin des Theater Rampe, und Krimiautor Wolfgang Schorlau zu ergründen. Die Chancen von rotgrün und schwarzgrün besprach Kretschmann zusammen mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel und dem SPD-Landesvorsitzenden Nils Schmid.

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Teufel: „Ganz selbstverständlich gibt es mehr Gemeinsdamkeiten mit Herr Kretschmann als mit Jürgen Trittin.“ Schmid warnte: „Man sollte nicht darauf lauern, bei den Schwarzen ins Boot zu springen.“ Kretschmann entgegnete: „Wir wollen ein möglichst großes Stück aus dem schwarz-gelben Kuchen schneiden.“ Zum Schluss der Diskussionsrunden am grünen Teppich schauten die ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag Biggi Bender, Rezzo Schlauch und Fritz Kuhn zurück und nach vorne. Hunderte von interessierten Bürger und hängengebliebenen Schaulustigen verfolgten die unterschiedlichsten Debatten.

 

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Am Abend fanden die Feierlichkeiten ihre Fortsetzung mit einem rauschenden Fest auf der Wiese hinter dem Landtag, im siogenannten Akademiegarten. Der Landtag verwandelte sich verwöhnt durch die Sonne und die herrliche Festivalatmosphäre in eine grüne Oase.

landtag.atmo

 

 

Die Besucher genossen den einmaligen Abend unter Bambuszelten und erfreuten sich am Bühnenprogramm. Winfried Kretschmann begrüßte die Besucher in der grünen Oase: „Wir machen den Landtag interessant, wir öffnen den Landtag und zeigen, wie sehr sich der Landtag in den vergangenen 30 Jahren mit uns verändert hat.“

sandkasten

 

Dann führte Conferencier Roland Baisch durch das Abendprogramm. In einer bunten Revue gaben sich das Theater Lindenhof, Martina Brandl, Timo Brunke, Magnus Großmann, Joe Bauer, Melitta Dingdong und Die Füenf die Ehre, Zbikbeat sorgte für die richtigen Klänge und ließ jedes der drei Jahrzehnte musikalisch wieder auferstehen und gaben am Ende mit Blick auf den Landtag augenzwinkernd die Parole aus: „Das ist unser Haus, schmeißt doch Goll und Straub und Mappus raus.“

melitta

Danach spielte die Band noch zum Tanze auf. Nach Einbruch der Dunkelheit schmückte ein vom Stuttgarter Künstler Aurele Mechler eigens für das Fest gemalte Graffiti die Außenwand des Landtags.

 

graffiti

 

Als um 24 Uhr der Vollmond über der Bühne stand, war jedem klar: Damit haben die Grünen nicht nur sich selbst gefeiert, sondern bewiesen, dass selbst der Landtag eine ganz schön sexy Location sein kann - bunt, poppig, stimmungsvoll und vielfältig, unterhaltsam, gehaltvoll und trotzdem leicht und beschwingt. Den Tag werden den die Grünen und die Stuttgarter nicht so schnell vergessen.

Reaktionen und Statements zu 30 Jahre Grüne

 

An den Countern nahmen die Landtagsabgeordneten und MitarbeiterInnen Fragen und  Anregungen, Kritik und Vorschläge entgegen, um sie auf der Bühne zu diskutieren, hier eine kleine Auswahl:

 
Schlachter

- Tut Ihr auch was für die Bildung? G 8 ist schlecht, wir haben voll viel Schule. Es ist extremer Leistungsdruck und die Lehrer erwarten viel zu viel Hintergrundwissen oder dass man zuhause alles vorarbeitet und schon alles weiß. Das macht einen kaputt, man muss die ganze Zeit nur lernen, lernen, lernen. Wenn man sich was falsch erarbeitet hat, hat man keine Zeit für Korrektur. Lehrerin im Gym ist keine ausgebildete Gymnasiallehrerin, erklärt vieles falsch. Klassen am Gym sind zu groß, wir sind 31.

- Man hört zu wenig von den Grünen zu Stuttgart 21 – noch mehr Presseberichterstattung zu Grünen Aktivitäten gegen Stuttgart 21 wäre gut.

- Warum gibt es keinen Sekt an den Ständen?

- Aus welchem Stoff ist der grüne Teppich?

- Warum pushen Grüne so alte Zöpfe wie Doppelspitzen?

- Ihr seid eine umweltfreundliche Partei und brüderliche Partei für alle Menschen und eine weltweit tätige Partei. Gut so, weiter so.

- Was unternehmen die Grünen gegen den Automobilsommer in Baden-Württemberg?

- Wie steht das Spiel Portugal - Brasilien? Wir haben hier keinen Fernseher…

- Ich finde es gut, dass es die Grünen gibt, da diese oft eine andere Sichtweise der Dinge in Bezug auf die Ökologie beleuchten und weil sie ein Stück zur Nachhaltigkeit der Wirtschaft beitragen.

- Der Grüne Teppich sollte länger liegen bleiben, er wäre es wert, ins Guiness-Buch der Rekorde aufgenommen zu werden als längster grüner Teppich der Welt – eine geile Idee!

- Barfuß auf dem grünen Teppich – super Idee - Paula, vier Jahre und ihr Papa, der die Schuhe tragen darf/muss.

- Herzlichen Glückwunsch. Schön, dass es Euch gibt. Die Grünen sind wichtig. Wir brauchen grüne Politik im Parlament und das ist eine tolle Ergänzung zu unserer außerparlamentarischen Opposition. Kritische Fragen stelle ich ein andermal – freue mich auf das nächste Gespräch
Brigitte Dahlbender, BUND-Landesvorsitzende

- Warum haben die Grünen mehrmals Kriegseinsätzen zugestimmt?

- Ich finde den Grünen Teppich klasse, insbesondere in der Größe und Dimension, wie Ihr das hier gemacht habt. Wichtig ist uns, dass es keine neuen Kohlekraftwerke mehr gibt und verstärkt auf erneuerbare Energien gesetzt wird. Dabei setzen wir auf die Grünen!
Marlene Derendorf & Claudia Dahlen aus NRW

- Wieso hat sich die grüne Einstellung zu Krieg geändert?

- Anregung: Man sollte die „Lobby“ der Grünen wie Nabu usw. mehr zu Wort kommen lassen.

- Weniger Ausgaben für Dienstwagen usw., keine Italianisierung der Politik!

- In Grünen Blättern sind Begriffe wie Green New Deal. o.ä.; die Grünen denken, dass die Leser das automatisch verstehen würden. Bitte ´runterbrechen auf allgemeine Verständlichkeit.

- Ein israelischer Mitbürger beklagt, dass die GRÜNEN sich nicht schärfer gegen die Machenschaften des Staates Israel gegen die Palästinenser abgrenzen.

- Wo sind die Joints?

- 30 Jahre Grüne im Landtag, aber man wird doch erst mit 40 gescheit, oder?

- Wann kommt endlich schwarz-grün und wie ist das mit Mappus vereinbar?

- Anregung: Statt die Solarenergiesubventionen zu kürzen, alternative Energien stärken.

- Was hat Kultur mit Fussball zu tun?

 

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- Warum ist Joschka Fischer raus aus den Grünen? Wurde er zurückgedrängt?? (Warum hat er sich politisch zurückgezogen) Anregungen: Denn er und die Grünen standen für eine Alternative zum Nichtwählen, auch wegen Umweltfreundlichkeit. Auch ist die Grüne Partei Kompromisse eingegangen, was nicht gut war. Sie haben den Weiterbetrieb der Kernanlagen jetzt nicht vehement abgelehnt. Mehr die erneuerbaren Energien stärken, weil Öl und Uran keine Perspektive haben. Die Grünen sollten wie ganz am Anfang den Weg fortführen vom Protest gegen Egoismus und Eigenkapital. Und mehr Volksnähe. Mittelstand stärken. Weitere Anregung: In den Grünen Blättern ist im Vergleich zum Bundestag unzureichend klar, wer für was zuständig ist (im Sinne von Arbeitskreisen). Opposition muss neue Perspektiven und neue Gedanken bringen. Zu wenig Umweltschutz-Partei.

- Was haben die Grünen in den 30 Jahren erreicht, dass es heute besser ist als damals?
Anonym

- Wäre es nicht sinnvoller gewesen, wenn die Grünen statt dieser Feier eine Spende für soziale Projekte geleistet hätten?

- Ist es nicht grandiose Verschwendung, dass wir eine so hohe Anzahl von Krankenkassen haben. Das verursacht enorme Verwaltungskosten. Könnte man da nicht viel Geld einsparen durch eine Verringerung, das man für andere Dinge sinnvoller ausgibt.

Counter-Splett

 

- Statement: Ich bin gegen Stuttgart 21 und bevorzuge eine Renovierung des Bahnhofes, sowohl aus Kostengründen als auch aus umweltbezogenen Gründen sowie aus Gründen des Denkmalschutzes. Bahnhof soll in seiner jetzigen Form erhalten werden. Diese Milliardenverschwendung ist insbesondere in diesen finanzpolitisch schwierigen Zeiten, wo Geld gespart werden müsste, nicht angebracht.
Ich fahre täglich mit S-Bahn nach Stuttgart

- Besteht noch die Chance – im Zuge der Sparmaßnahmen - auf Stuttgart 21 verzichten zu müssen?

- Würden die Grünen in Zeiten niedrigerer Wahlbeteiligung von einer Wahlpflicht eher pofitieren oder eher Nachteile haben?

- Statement: Ich wähle die Grünen nicht. Aber ohne die Grünen hätte man manche positive Entwicklung in der Politik nicht. Der Einfluss der Grünen in die Politik ist daher positiv, muss man sagen, das war echt gut.
Hermannn Pfrommer, Plochingen

- Wie viel Jahre kann man als Grüner Gute Laune haben, wenn man in 30 Jahren noch nie regiert hat.
Ein Gast aus Hannover

- Ist es richtig, dass für die Berufsfeuerwehrleute das Rentenalter von 60 auf 62 erhöht werden soll?
Jörg Muessig

- Ist es heute noch gerechtfertigt, angesichts der vielen bekanntgewordenen Tricksereien und Manipulationen den sog. Klimaschutz als eine politische Aufgabe zu verfolgen?
Frage eines Grünen der ersten Stunde

- Lob von einer amerikanischen Besucherin zum grünen Teppich: So eine tolle Aktion hat nicht einmal Obama in seiner Kampagne hinbekommen.

 

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