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30. März 2010

Renate Rastätter: Keine Schönfärberei

Farbigen Ostereiern sieht man trotz bestehender Kennzeichnungspflicht die tierquälerische Haltungsform der Legehennen nicht an

Rastätter, Renate-neu

Die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag Renate Rastätter hat an die Verbraucherinnen und Verbraucher appelliert, beim Einkauf von Eiern zum Osterfest auf die Herkunft der Eier zu achten. Das ist nicht immer ganz einfach, da gefärbten Eiern oft nicht anzusehen ist, ob sie von Legehennen im Käfig stammen oder aus einer artgerechten Tierhaltung, zum Beispiel aus Freilandhaltung. "Am besten ist es immer noch, man kauft die Eier ungefärbt, dann weiß man, was man hat, und kann auch noch die Qualität der Farbe bestimmen", so Renate Rastätter.
Die seit 2004 geltende Kennzeichnungspflicht für Hühnereier kann als großer Erfolg sowohl für den Verbraucher als auch den Tierschutz gewertet werden.
Seit dem 1. Januar 2004 - auf Wochenmärkten seit dem 1. Juli 2005 - müssen auf Eiern bzw. deren Verpackung im Handel verpflichtend das Haltungssystem, das Herkunftsland und die Verpackungsstelle gekennzeichnet sein. Dies gilt für die gesamte EU.
Damit kann jeder anhand des Eierstempels ablesen, woher das Ei stammt und aus welcher Haltungsform. Das Kaufverhalten der Kunden zeigt, dass die Mehrheit die tierquälerische Käfighaltung von Legehennen nicht mehr länger mittragen will und sich gezielt für Eier aus tiergerechteren Haltungsformen entscheidet.
Bedauerlicherweise ist das bis jetzt nur beim direkten Eierkauf möglich. Schon dem eingefärbten Osterei sieht man die Herkunft nicht mehr an. Wenn schon bei den meisten der bunten Ostereier die ursprüngliche Kennzeichnung 3 für Käfighaltung "schöngefärbt" wurde, geht sie bei den Tausenden im Handel erhältlichen eihaltigen Lebensmitteln vollständig unter. Etwa 60 Prozent der in Deutschland produzierten Eier werden in Nudeln oder Fertigprodukten verarbeitet, ohne dass der Verbraucher darüber aufgeklärt werden muss, aus welchem Haltungssystem die Eier stammen. Milliarden Eier aus der Käfigqualhaltung werden jährlich in Eierlikör, Fertignudeln, Backmischung oder Fertigkuchen verarbeitet.
Seit Jahren fordern deshalb die Grünen im Landtag eine entsprechende Erweiterung der Kennzeichnungspflicht; eierhaltige Produkte sollen zukünftig entsprechend des Hennenhaltungssystems gekennzeichnet werden. Die Landesregierung sieht aus EU-rechtlichen Gründen jedoch kaum Möglichkeiten einer nationalen Lösung: Verbindliche nationale Kennzeichnungsvorschriften wären notifizierungspflichtig, wobei die EU-Kommission eine Umsetzung, die vom EU-Recht abweicht, nicht akzeptieren könnte. Die Erfolgsaussichten für einen entsprechenden Vorstoß werden daher von der Landesregierung als gering eingeschätzt. Diese Antwort wird aber von der tierschutzpolitischen Sprecherin der Grünen nicht akzeptiert: "Statt vorauseilenden Gehorsam zu praktizieren, sollte die Baden-Württemberg in die Offensive gehen und die Bundesregierung via Bundesrat auffordern, in der EU die Kennzeichnungsmöglichkeit durchzusetzen".
Ein weiterer Handlungsbedarf sieht die grüne Abgeordnete in der gezielten Förderung der Freilandhaltung von Hennen in der baden-württembergischen Landwirtschaft." In Baden-Württemberg müssen immer mehr Bio- und Freilandeier importiert werden, weil die Landesregierung zu wenig für die Förderung der Umstellung auf artgerechte Hennenhaltung tut", kritisiert Rastätter. Die Grünen fordern deshalb den neuen Landwirtschaftsminister Köberle auf, endlich ein attraktives Förderprogramm aufzulegen.

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