
NR. Art 03
Datum: 5. März 2010


Mit einer zwölfteiligen, monatlichen Serie machen die Grünen auf gefährdete Arten und ihre Lebensräume aufmerksam. "Wir sind stolz darauf, dass wir für unsere Serie das Logo sowohl der weltweiten Kampagne "Countdown 2010" als auch das Logo für das Internationale Jahr der Biodiversität verwenden dürfen.
Die grüne Serie für Baden-Württemberg
Teil 3/12 – März 2010
Feldlerche: Frühlingsbote – himmelhoch jauchzend, vom Tode bedroht
Gisela Splett: "Dramatischer Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft – Öko-Landbau nutzt der Feldlerche"
Die bekannteste Vogelart der offenen Kulturlandschaft ist die Feldlerche. Mit ihrem trillernden Gesang zählt sie zu den ersten Frühlingsboten in der Feldflur. Doch ihre Stimme ist heute vielerorts immer seltener zu hören: In Baden-Württemberg ist der Feldlerchenbestand von 1980 bis 2004 um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Deshalb wurde die "Allerweltsart" Feldlerche in die Rote Liste für bedrohte Arten aufgenommen.
Eine Ursache für den Rückgang ist die Umstellung von Sommer- auf Wintergetreide, die den Bruterfolg verringert. Denn im Wintergetreide, das bereits im zeitigen Frühjahr dicht und hoch aufwächst, findet die Feldlerche am Boden kaum geeignete Stellen zur Nahrungssuche. Zudem legen die Lerchen viele Nester an Fahrspuren an, weil sie offene Stellen zum Einfliegen brauchen. An Fahrspuren werden die Gelege jedoch häufig von Beutegreifern gefunden und geplündert.
Dazu kommen Siedlungsentwicklung und der Straßen- und Wegebau. "Die Überbauung eines Feldlerchen-Lebensraumes mit einem gigantischen Fleischwerk in Rheinstetten, die Bebauung von Kiebitz-Brutplätzen auf dem Flugfeld in Böblingen oder die Verhinderung von Feldlerchen-Bruten schon im Vorfeld einer Gewerbegebietsplanung bei Bad Wurzach sind leider keine Einzelfälle und belegen, dass es um den Artenschutz in der Agrarlandschaft nicht gut bestellt ist", so Gisela Splett.
Als Unterstützungsmaßnahme für die Feldlerche haben Landwirte und Naturschützer in Großbritannien "Feldlerchenfenster" entwickelt. Die Idee ist einfach: Bei der Aussaat wird für einige Meter die Sämaschine angehoben. Dadurch entsteht eine kleine, künstliche Störstelle inmitten des Ackers. Feldlerchenfenster sollten eine Größe von rund 20 m² haben und können ansonsten wie das übrige Feld mitbewirtschaftet werden. Zwei dieser Fenster pro Hektar sind ausreichend, um den Bruterfolg der Feldlerche deutlich zu erhöhen. Die Feldlerchenfenster wirken sich auch positiv auf viele andere Feldtiere wie das Rebhuhn und den Feldhasen aus. Der Ernteausfall für den Landwirt ist mit weniger als fünf Euro pro Hektar niedrig und der Arbeitsaufwand gering. Der NABU und der Deutsche Bauernverband haben 2009 ein gemeinsames bundesweites Projekt "1000 Äcker für die Feldlerche" vereinbart. In Baden-Württemberg beteiligen sich zahlreiche Landwirte mit Feldlerchenfenstern an dem Kooperationsprojekt des NABU-Landesverbandes, des Landesbauernverbandes und des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes.
Wie für viele andere Arten wirkt sich der Öko-Landbau auch günstig auf das Vorkommen der Feldlerche aus. Die Siedlungsdichte der Lerche liegt zwei- bis dreimal höher als in konventionell bewirtschafteten Äckern. Auch der Bruterfolg steigt auf diesen Flächen. Vögel sind als sogenannte Endkonsumenten wichtige Frühwarnsysteme, die uns anzeigen, in welchem Zustand sich ein Ökosystem befindet. Wenn fast alle Vögel der Feldflur, neben der Feldlerche z.B. Kiebitz und Rebhuhn, aber auch andere "Ackerarten" wie das Adonis-Röschen auf dem Rückzug sind, dann stimmt etwas nicht mit der Nutzung unserer Landschaft, die der Feldlerche als Lebensraum und uns als Grundlage unserer Ernährung dient. Eine aktuelle Studie von Agrarwissenschaftlern der Uni Göttingen belegt, dass der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft eine der Hauptursachen für den Rückgang der Tier- und Pflanzenvielfalt darstellt. Ein wichtiges Argument für die Unterstützung des Öko-Landbaus.
Für die Geoökologin Gisela Splett lautet die Schlussfolgerung deshalb: "Feldlerche & Co brauchen eine Agrarpolitik, die Biodiversitätsbelange berücksichtigt und ihre Förderinstrumente an ökologischen Kriterien ausrichtet. Davon können kleinbäuerliche Betriebe und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren."
Im Sinne von Feldlerche & Co fordern die GRÜNEN im Landtag deshalb
. Stopp dem Flächenverbrauch und der Zersiedelung
. Ausbau des Öko-Landbaus und Reduzierung des Pestizideinsatzes
. Unterstützung einer kleinstrukturierten Landwirtschaft mit Feldfruchtvielfalt
. Stärkung des Biotopverbunds in der Agrarlandschaft, u.a. durch
- Förderprogramme für Ackerrandstreifen
- Unterstützung für Lerchenfenster-Projekt und andere Artenschutzmaßnahmen
Quellen/Links:
www.NABU.de/nh/archiv/lerche198.htm
www.NABU-bw.de/projekte/lerchenfenster/
www.Bauernverband.de/index.php?redid=307321
www.WWF.de/themen/landwirtschaft/kulturfolger/tiere/feldlerche/
www.Vogelmonitoring.de/downloads/texts/publications/statusreport2009_ebook.pdf
www.Uam.es/personal_pdi/ciencias/jonate/Investigacion/ASCI/ASCI-15.pdf
www.Landtag-bw.de/WP14/Drucksachen/4000/14_4195_d.pdf
www.Landtag-bw.de/WP14/Drucksachen/3000/14_3351_D.PDF