logo-gruen-neu2

PRESSEMITTEILUNG

NR. 069/2010
Datum: 2. März 2010

Renate Rastätter: „Beruhigungspillen der neuen Kultusministerin wirken nicht“

Grüne: Grundschulempfehlung abschaffen

Rastätter, Renate-neu

Die Grünen im Landtag sind enttäuscht darüber, dass die neue Kultusministerin Schick trotz ihrer Ankündigung zum Dialog mit den Eltern und Lehrkräften die bisherige Praxis der verpflichtenden Grundschulempfehlung nicht umgehend auf den Prüfstand stellt und abschafft. „Ich erwarte von der neuen Kultusministerin, dass sie in den nächsten Wochen viele Grundschulen besucht und sich dort über den Stress, die Angst und den Druck, der auf den Kindern, den Eltern, sowie den Grundschullehrkräften lastet, umfassend informiert“, erklärt die schulpolitische Sprecherin der Grünen Renate Rastätter. „Es genügt keinesfalls, dass Kultusministerin Schick – wie schon ihr Vorgänger Rau – auf die Anschlussfähigkeit im Bildungswesen hinweist sowie auf die hohe die Quote der Schüler, die statt an einem Gymnasium an einer Beruflichen Schulen eine Hochschulzugangsberechtigung erwirbt. Ich erwarte von ihr mehr als die Verteilung von wirkungslosen Beruhigungspillen zur Grundschulempfehlung.“ In einem Bildungssystem, in dem Kinder sehr früh auf Schularten mit unterschiedlichen Anforderungsniveaus sortiert würden, sei der Elternwunsch nachvollziehbar, ihr Kind in einer Schulart mit anspruchsvollen Bildungszielen unterzubringen.
Für die Grünen ist die sofortige Abschaffung der verpflichtenden Grundschulempfehlung ein erster wichtiger Schritt, das pädagogische Klima in der Grundschule zu entspannen. Renate Rastätter: „Wenn Eltern darauf vertrauen können, dass nicht Zehntelnoten über die Schulkarriere ihres Kindes entscheiden, müssen sie nicht länger wie das Kaninchen auf die Schlange auf jeden Test in der vierten Klasse starren.“
Ein weiterer Grund für die Abschaffung ist die Tatsache, dass vor allem die soziale Herkunft, aber auch der Wohnort, die Zusammensetzung der Klasse sowie die die Benotungspraxis der jeweiligen Grundschullehrkraft  entscheidend für die Grundschulempfehlung ist. Prof. Bos, der Leiter der IGLU-Grundschulstudie, hat schon vor Jahren den Mythos des „begabungsgerechten“ Übergangs in die weiterführenden Schulen widerlegt. Es ist nicht nachvollziehbar und falsch, dass seine wissenschaftlichen Erkenntnisse bis zum heutigen Tag in Baden-Württemberg ignoriert werden, offenbar auch von der neuen Kultusministerin. Bos hatte herausgefunden, dass  50 Prozent der Grundschulempfehlungen nicht der tatsächlichen Begabung und Leistungsfähigkeit der Kinder entsprechen.
Für die Grünen steht aber auch fest, dass die Abschaffung der verpflichtenden Grundschulempfehlung allein das Problem der fehlenden Bildungsgerechtigkeit nicht lösen kann. Renate Rastätter fordert: „Die Bildungseinrichtungen müssen dabei unterstützt werden, dass alle Kinder besser individuell gefördert werden. Die Genehmigung integrativer und inklusiver Modellschulen mit längerem gemeinsamem Lernen darf nicht länger blockiert werden.“