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Die Grünen im Stuttgarter Landtag fordern in einem parlamentarischen Antrag eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten an beruflichen Gymnasien, um eine Zugangsgerechtigkeit für alle Schülerinnen und Schüler herzustellen. „Der G8-Zug an allgemeinbildenden Gymnasien übt immer stärkeren Druck auf die Jugendlichen aus, da sie das vorgegebene hohe Tempo nicht mithalten können. Daher werden berufliche Gymnasien zunehmend zu einer wichtigen Alternative zum achtjährigen Gymnasium: Etwa ein Drittel aller Abiturientinnen und Abiturienten erreicht die Hochschulreife an einem beruflichen Gymnasium. Wir müssen die Kapazitäten dringend erweitern, um eine Verdrängung der Real-, Werkreal- und Berufsfachschüler zu verhindern“, fordert Siegfried Lehmann, Sprecher der grünen Landtagsfraktion für berufliche Bildung.
Offiziell benötigen Schüler mit Mittlerer Reife einen Notendurchschnitt von 3,0, um an einem beruflichen Gymnasium aufgenommen zu werden. Durch den erhöhten Andrang ist für die Aufnahme an ein berufliches Gymnasium aber mittlerweile ein Notendurchschnitt - je nach Schulstandort und Profil - von 2,3 bzw. 2,6 erforderlich. Bereits für das nächste Schuljahr müssen nach Ansicht Lehmanns deutlich mehr Klassen an den beruflichen Schulen zugelassen werden, da durch den doppelten Zulauf von G8- und G9-Bewerbern der Rahmen des Möglichen an vielen beruflichen Gymnasien gänzlich gesprengt wird. Doch auch langfristig werde durch G8 verstärkt mit BewerberInnen aus den allgemeinbildenden Gymnasien zu rechnen sein. Lehmann: „Wird jetzt nicht gehandelt, bleibt die von Kultusminister Rau viel beschworene Durchlässigkeit des Bildungssystems gänzlich auf der Strecke.“
Außerdem weist Lehmann auf einen weiteren wichtigen Aspekt der Kapazitätsausweitung hin: „Bereits heute fehlen in Baden-Württemberg über 18.000 ausgebildete Ingenieure. Der Ingenieurmangel wird sich in den nächsten Jahren noch dramatisch verschärfen. Statt über den Ingenieurmangel zu lamentieren, sollte die Landesregierung endlich durch Taten der steigenden Nachfrage nach Ingenieuren begegnen: Ich halte es für zwingend erforderlich, dass deshalb gerade an den technischen Gymnasien eine deutliche Ausweitung der vorhandenen Plätze erfolgt, denn die Absolventen der technischen Gymnasien sind die Ingenieure von morgen.“