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  1.  Pressemitteilung

Kormorane nicht vertreiben

31. März 2008

Siegfried Lehmann: Geplante Kormoran-Vergrämungsaktion am Bodensee ist indiskutabel

Halogenlicht-Aktion im Naturschutzgebiet gefährdet auch streng geschützte Vogelarten

Lehmann, Siegfried

Die vom Regierungspräsidium Freiburg angeordnete Vergrämungsaktion der Kormorane am Bodensee ist nach Ansicht des grünen Landtagsabgeordneten Siegfried Lehmann (Konstanz) völlig indiskutabel. Das RP kündigt in einem Schreiben an die Umweltverbände an, die Kormorankolonie im Aachried in einer Aprilnacht durch Halogenlichtbestrahlung von der Ausbrütung ihrer Eier abzuhalten. Der Abschuss von Kormoranen soll darüber hinaus bereits ab August freigegeben werden. „Diese nächtliche Störaktion als ‚unblutig’ zu bezeichnen, halte ich für eine inakzeptable Aussage des Regierungspräsidiums. Darüber hinaus die Kormorankolonie durch ein Vorziehen der Abschussfreigabe auf Anfang April zusätzlich zu schwächen, widerspricht deutlich dem Schutzweck von Natur- und Vogelschutzgebieten.“
In einem Schreiben an die Naturschutzverbände kündigt das Regierungspräsidium Freiburg die drastischen Maßnahmen zur Vergrämung der Kormorane an. In einer nächtlichen Störaktion im April sollen die im Natur- und Vogelschutzgebiet Radolfzeller Aachried brütenden Kormorane gestört werden, um somit die Schlupfrate um 90% zu senken. „Dieses Vorgehen als unblutig zu bezeichnen, wie vom Regierungspräsidium geschehen, ist äußerst zynisch. Nicht nur der Kormoran, auch andere streng geschützte Vogelarten werden dadurch gestört - und dies, obwohl wir es mit einem Naturschutzgebiet zu tun haben“, kritisiert der grüne Abgeordnete das Vorgehen in einem Antrag an die Landesregierung.
Auch das vorgesehene Vorziehen der Wintervergrämung durch Abschuss der Kormorane auf den 1. August ist nach Meinung von Siegfried Lehmann nicht hinnehmbar. „Das Regierungspräsidium hat selbst darauf hingewiesen, dass bei einer derartig frühen Abschussfreigabe noch Nachbruten betroffen sein können. Das Vergrämungsmanagement gefährdet durch diese Maßnahmen deutlich den Kormoranbestand in der Bodenseeregion“
Die im Radolfzeller Aachried siedelnden Kormorane sind die einzige Kormorankolonie am deutschen Bodenseeufer. Grund für die jährlich stattfindenden Kormoranvergrämungsaktionen ist die bei Fischern und Behörden verbreitete Meinung, der Kormoran gefährde durch seine Ernährungsgewohnheiten den heimischen Fischbestand, darunter insbesondere die Äschen. „Bisher kann diese Auffassung durch keinerlei wissenschaftliche Untersuchungen belegt werden - im Gegenteil: Bisherige Untersuchungen zeigen, dass sich der Kormoran nur zu einem verschwindend geringen Bruchteil von Äschen ernährt. Zudem gibt es selbst nach Aussage des Landesamtes für Umweltschutz über 20 Gründe für den Rückgang der Fischbestände. Der Kormoran spielt dabei nur eine Nebenrolle“, führt der Landtagsabgeordnete Lehmann aus.
Siegfried Lehmann fordert daher in einem Antrag an die Landesregierung, die geplanten Vergrämungsaktionen im Radolfzeller Aachried zu untersagen und eine wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag zu geben, welche Aufschluss über die tatsächlichen Gründe des Rückgangs der Fischbestände sowie die Ernährungsgewohnheiten der Kormorane geben soll. „Angesichts des tatsächlichen Schadens, den der Kormoran an den heimischen Fischbeständen verursacht, sind diese Vergrämungsaktionen in nicht zu rechtfertigen.

 

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